Unsere Kapelle St. Vinzenz

Unsere Kapelle, gesehen durch ein Fisheye-Objektiv

Die Kapelle ist das Herzstück des Mutterhauses. Darin versammelt sich mehrmals täglich der Mutterhauskonvent zum Gebet.

Der Eingang
Für die Farbgebung des Portals wurden Blau und Gold gewählt. Von blauer Farbe, so die Überlieferung, war der Tempelvorhang. Er trennte den heiligen Bezirk des Tempels vom öffentlich zugänglichen Bereich ab. Diese strikte Abtrennung wurde mit dem Blau des Vorhanges überbrückt; denn Blau galt schon im Alten Testament als Farbe des Geistes und der Göttlichen Offenbarung.

Gegliedert wurde die Tür in vier Felder. In der Zahlensymbolik weist die Vier hin auf die vier Jahreszeiten, die vier Himmelsrichtungen, die vier Elemente. In diesem Zusammenhang auf die vier Evangelisten.

Gold symbolisiert die Gegenwart Gottes und seine unauslotbare Größe. Das Blau der Türrahmen zieht sich gewebeartig (Vorhang!) über die vergoldeten Flächen, so dass zur Mitte hin eine kreisähnliche Form wie ein Sonnenzeichen aufleuchtet.

Wie der Tempelvorhang ist die Eingangstür Trennung zwischen dem Außen und dem Innen, lädt aber mit ihrer Farbe Blau ein zum Überschreiten der Schwelle.

Der Innenraum
Die Gestalt des Raumes gleicht annähernd einem Würfel. Im Schnittpunkt der Diagonalen hängt frei im Raum das Kreuz: Christus, unsere Mitte. Gegenüber, im Fenster der Altarwand, leuchtet eine aus drei konzentrischen Kreisen (Dreifaltigkeit) gebildete Sonne auf blauem Grund: Karfreitag und Ostern begegnen sich. Gleich der Sonne ist Christus am Ostermorgen dem Grab entstiegen. Sein Licht sprengt das Grab, die Finsternis (geistige Unfreiheit) auf, angedeutet am unteren Bildrand. Am oberen Bildrand weisen die blauen waagrechten Schichtungen, die sich in der Mitte öffnen, auf das Überirdische, den Himmel, hin. Die blaue Senkrechte verbindet das Oben mit dem Unten. Helle weiße Formen, gebündelt und geweitet, ziehen sich wie Wolken, die den Blick freigeben, von der Mitte aus nach beiden Seiten und weisen über die Randsäume hinaus.

Unter dem Fenster haben auf der Altarinsel Tabernakel, Altar und Ambo aus der früheren Mutterhauskirche Platz gefunden.

Die seitlichen je drei raumhohen und relativ schmalen Fensteröffnungen sind durch Pilaster voneinander getrennt. Querbänder in mehreren Ebenen aus blauem Glas verbinden sie untereinander und schaffen eine Waagrechte, die in Spannung tritt zur angestrebten Senkrechten. „Pfingstlich“ heißt das Thema. „Er gießt aus seinen Geist und Welten entstehen.“ Das Wirken des Geistes, das alle Zwänge der irdischen Statik aufhebt, wird durch das betont diagonale und bewegte Liniengefüge verdeutlicht. Die roten Lichtbahnen aus dem Osterfenster betonen die Diagonale und weisen auf das schöpferische Wirken des Geistes hin.

Das farbige Licht ruht nicht in sich selbst, es verkündet eine Bedeutung.

Helmut Kästl, Maler und Bildhauer