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15.02.2019

Wie hat Gott mich eigentlich gedacht?

Welche Maske müsste ich aufsetzen, um mein wahres Gesicht zu zeigen? – Ein Impuls zur Faschingszeit


Faschingszeit ist Masken- und Verkleidungszeit.

Masken – die tragen wir doch das ganze Jahr über? Da setze ich die Maske des Fröhlichseins auf, obwohl mir innerlich zum Weinen zumute ist. Da setze ich die Maske des Selbstsicheren auf, obwohl ich doch Angst vor der eigenen Courage habe. Das sind nur Beispiele, wie ich mein Innerstes maskieren, verbergen kann.

Für Siegfried Lenz hat die Verkleidung in seinem Roman „Die Maske“ eine ganz andere, überraschende Bedeutung. Für ihn ist es nicht etwa so, dass ich mit einer Maske mein Innerstes verbergen und jemand werden möchte, der ich nicht bin.

Für ihn ist das Gegenteil der Fall: Die Maske verschafft mir, sagt er, eine Freiheit, die ich sonst nicht habe: Eine Freiheit des Sagens, des Anvertrauens, aber auch eine Freiheit des Zorns, der Wut, der Empörung, die man loswerden kann unter der Maske. Hinter Masken verändern sich die Menschen. Sie verbergen sich nicht etwa dahinter, sondern zeigen ihr wahres Wesen. Die Maske hilft mir, aus meiner Rolle, die ich mir oder die andere mir geben, auszubrechen und mein wahres Ich zu zeigen.

In diese Richtung weitergedacht, frage ich mich als Christ: Welche Maske müsste ich aufsetzen, um mein wahres Gesicht zu zeigen, um ganz ich zu sein? Welche Maske müsste ich aufsetzen, um so zu sein, wie Gott mich eigentlich gedacht hat?

Wolfgang Dausch