Aktuelle Nachrichten

23.08.2019

Zwei Weihbischöfe aus der Diözese Münster bei der Gedenkfeier

Der selige Karl Leisner starb vor 74 Jahren im Waldsanatorium


Wie jedes Jahr fand auch heuer im Waldsanatorium eine Gedenkfeier für den dort verstorbenen seligen Karl Leisner statt. Monika Kaiser-Haas, die Nichte des Seligen und Stellvertretende Vizepräsidentin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises, ließ uns folgenden Bericht zukommen.

Vor 74 Jahren am 12. August 1945 starb der aus Kleve stammende Neupriester Karl Leisner im Waldsanatorium an den Folgen seiner fast sechsjährigen Haft im Konzentrationslager Dachau. Nach seiner Befreiung aus dem Lager am 4. Mai 1945 wurde Karl Leisner bis zu seinem Tod liebevoll von den Schwestern vom Orden der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul gepflegt. Bis heute haben die Schwestern das Sterbezimmer nahezu unverändert erhalten zur Erinnerung an das Leiden und Sterben des Seligen aus der Diözese Münster.

Auch in diesem Jahr wurde die Gedenkfeier am Todestag für den seligen Karl Leisner im Waldsanatorium wieder unter der Leitung von Hausoberin Schwester Ephiphania und Schwester Raymunda vorbereitet. Weihbischof Rolf Lohmann aus Xanten und Weihbischof Wilfried Theising aus Vechta (Diözese Münster) reisten an.

Wie in jedem Jahr versammelten sich zahlreiche Besucher zur Statio an der Stele mit der Büste von Karl Leisner. Oberin Schwester Epiphania Böhm begrüßte die Anwesenden. Weihbischof Lohmann stellte sich in seiner Ansprache kurz vor und erläuterte seine Verbundenheit mit Karl Leisner und wies auf dessen Verbindungslinien hin, die von Kleve über Kevelaer, Xanten und Münster nach München, Dachau und Krailling reichen. Denn er fühlt sich Karl Leisner sehr verbunden. Bei seiner Weihe vor zwei Jahren zum Bischof, so in seiner Rede, hatte er Karl Leisner an seinem Bischofsstab abbilden lassen. Zum Abschluss der Statio beteten alle gemeinsam den Angelus. Danach ermunterte Weihbischof Lohmann die Gläubigen, während der Prozession zur Kirche möge jeder über seine persönliche Beziehung zum seligen Karl Leisner nachdenken: „Was hat er mir heute zu sagen?“

Auch den Gottesdienst hatten die Schwestern wieder sehr gut vorbereitet. Vor dem Altar blickten wir wieder auf das bekannte Pulloverbild des Seligen. Das festliche Pontifikalamt begann um 18:45 Uhr in  der voll besetzten Kirche des Waldsanatoriums. Es zelebrierten Weihbischof Lohmann, Konzelebranten waren Weihbischof Theising, der Redemptoristenpater Stöckl und der indische Pater Joseph Chechott. Die Liturgie wurde musikalisch begleitet von Ludwig Götz an der Orgel und Thomas Schaffert am Violoncello. Besonders erfreut war Weihbischof Lohmann darüber, dass Schwester Epiphania den Bischofsstab, den der französische Bischof Gabriel Piguet von Clermont bei der Priesterweihe von Karl Leisner im KZ Dachau vor 75 Jahren trug, aus dem Dachauer Karmel für den Gedenkgottesdienst ausgeliehen hatte. Der Bischofsstab für die Priesterweihe von Karl Leisner war von einem KZ-Häftling heimlich geschnitzt worden.

In seiner Predigt thematisierte Weihbischof Lohmann Rettung und Zuflucht in heutiger Zeit, geprägt von den vielen Flüchtlingen und Asylsuchenden auf der ganzen Welt. Auch Karl Leisner habe auf Rettung gehofft, in der Überzeugung: „Die Rettung kommt von Christus. Er ist für uns seinen Weg gegangen. Dadurch sind wir erlöst.“ Er fuhr fort: „Karl Leisner zeigt uns seinen Weg, am Reich Gottes mitzuarbeiten. Mit Stärke, Mut, Liebe und Leidenschaft zu seinem Glauben ist er seinen Weg gegangen. Seine Passion, sein Gebet kann uns auch heute beflügeln. Seine Klarheit, seine Wahrheit, so wie er das Unrecht beim Namen genannt hat, so sollen auch wir Standpunkt beziehen, unsere Meinung äußern, ob sie gelegen oder ungelegen kommt.“ Der Weihbischof zitierte aus Leisners Tagebuch: „Ohne dich kann ich nichts, mit dir kann ich alles.“ „Christus, Du bist meine Leidenschaft!“ „Was sind das für Worte. Wir suchen den Weg zu Christus, zum Evangelium als Zeugen für unseren Glauben und auf die Fürsprache des seligen Karl Leisner.“

Am Ende des Pontifikalamtes bedankte sich Weihbischof Lohmann bei allen Mitwirkenden für die Gestaltung der Gedenkfeier und freute sich über die zahlreichen Gäste. Als Vertreterin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises (IKLK) begrüßte er die Vizepräsidentin Monika Kaiser-Haas aus Münster. Er lud die Anwesenden ein, nach Xanten zum Festgottesdienst am 15. Dezember 2019 zu kommen, aus Anlass der Priesterweihe von Karl Leisner vor 75 Jahren.

Schwester Epiphania bat alle Gäste zur Begegnung und zum traditionellen bayrischen Essen in den Speisesaal. Es gab wieder den köstlichen Leberkäse, Brezel, bayerischen Kartoffelsalat sowie Adelholzener Sprudel und Bier vom Kloster Andechs.

Die zweite Bürgermeisterin der Gemeinde Krailing Karin Wolf erläuterte bei der Begegnung im Anschluss an den Gottesdienst: „Der Sterbeort von Karl Leisner liegt in der Gemeinde Krailing bei Planegg.“ Der Name „Waldsanatorium Planegg“ sei dadurch entstanden, weil in Planegg der nächstgelegene Bahnhof lag. Sie besuchte die Gedenkfeier mit großer Freude und zeigte im Gespräch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem IKLK. 

Generaloberin Schwester Rosa Maria, Mutterhausoberin Schwester Adelinde und weitere Mitschwestern kamen zur Gedenkveranstaltung, ebenso die Schönstattschwestern Elinore Grimm, Referentin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Schwester Maria Christin und zwei indische Krankenschwestern. Vom Seniorenheim kamen Heimleiterin Birgit Hettner und Pflegedienstleiterin Inge Zaus und einige Bewohner.

Die Weihbischöfe Lohmann und Theising erhielten bei ihren Gesprächen mit den Teilnehmern der Gedenkfeier viele positive Rückmeldungen. Sicherlich konnten sie viele Menschen bei der Gedenkfeier für den seligen Karl Leisner begeistern.