31.07.2018

"Die Liebe und das Erbarmen Gottes haben mich immer getragen"

Zwei Jubilarinnen schauen in Dankbarkeit auf ihr Ordensleben zurück.


Schwester Cleta (l.) und Schwester Rufilla beim Professjubiläum

Schwester Cleta heute und damals

Schwester Rufilla heute und damals (mit Kardinal Döpfner)

Vor kurzem haben 23 Barmherzige Schwestern ein Professjubiläum gefeiert. Bei der Profess legten sie die Gelübde der Armut, des Gehorsams und der Ehelosigkeit ab und wurden offiziell als Mitglieder der Kongregation aufgenommen. Zwei unserer Jubilarinnen haben wir gebeten, auf ihr Leben zurückzuschauen. Es sind Schwester M. Cleta Schmalzl (83), die vor 60 Jahren Profess feierte und heute ihren Lebensabend im Alten- und Pflegeheim St. Michael verbringt, und Schwester M. Rufilla Gerhart (70), die auf 50 Professjahre zurückblicken kann und zum Konvent des Mutterhauses gehört.

Beide Frauen haben vieles gemeinsam: Sie sind mit mehreren Geschwistern in sehr religiösen Elternhäusern aufgewachsen, was aber nicht heißt, dass sie von Anfang an in eine Ordensgemeinschaft eintreten wollten. Schwester Cleta war in der Nachkriegszeit froh, Arbeit im Krankenhaus in Amberg zu finden und hatte vorher noch nie Schwestern mit Flügelhauben, der damaligen Tracht der Barmherzigen Schwestern, gesehen. „Die schauen aber komisch aus“, dachte sie, war aber gleichzeitig fasziniert von ihnen. Auch Schwester Rufilla fing, nach einem Umweg über eine Metzgerei, als Helferin im Aschaffenburger Krankenhaus an und lernte dort Barmherzige Schwestern kennen. „Die waren sehr aufgeschlossen, wenn ich gefragt habe. Aber keine hat mich zu irgendetwas überredet“, sagt sie. „Nach der Umkleidung im Jahr 1965 haben sie mit ihrer neuen Tracht ausgesehen wie gebadete Mäuse“, erinnert sie sich.

Bei beiden ist schließlich im stetigen Kontakt mit den Schwestern der jeweiligen Konvente langsam der Wunsch gereift, selbst Barmherzige Schwestern zu werden. Gott hat gewissermaßen ihre Berufung durch das gute Beispiel anderer Schwestern geweckt. Die Eltern waren wenig begeistert, Schwester Rufilla musste sich, da sie noch nicht volljährig war, sogar die Unterschrift des Vaters erschleichen und lebte anfangs in der Angst, dass er sie zurückholen würde. Aber letztlich trugen die Eltern die Entscheidung der Töchter mit, ihr Leben fortan ganz Gott und den notleidenden Mitmenschen zu widmen. Sie traten 1955 bzw. 1965 ein, machten, wie es bei den Barmherzigen Schwestern typisch war, im Rahmen des Noviziats eine Krankenpflegeausbildung und arbeiteten in wechselnden Kliniken als Krankenschwestern. Schwester Cleta durfte später eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung absolvieren, Schwester Rufilla wurde gefragt, ob sie sich zur Heimleiterin fortbilden möchte. So kam es, dass Schwester Cleta und Schwester Rufilla 1997 die Leitung der ordenseigenen Altenheime in Teisendorf (St. Elisabeth) und Ruhpolding (St. Adelheid) übernahmen. Schwester Cleta trug die Leitungsverantwortung bis ins 80. Lebensjahr, Schwester Rufilla musste sich krankheitsbedingt schon 2005 zurückziehen und arbeitet heute im Nähzimmer des Mutterhauses und als Sakristanin der Mutterhauskapelle.

Lassen wir die beiden sprechen:

Schwester Cleta: „Ich schaue mit großer Dankbarkeit auf mein Ordensleben zurück. Ja, ich bin glücklich geworden. Und ich bin dankbar für die Menschen, die mir begegnet sind.

In all den Jahren habe ich durch all die Erfahrungen immer gespürt, dass ich geführt werde in meinem Leben. Die Liebe und das Erbarmen Gottes haben mich immer getragen. Er ist der große Barmherzige, auch mir gegenüber, in all meinem Versagen.

Sicherlich, es hat auch schwierige Zeiten gegeben. Unsicherheiten waren dabei, auch ein Ringen, ob mein Weg der richtige ist. Aber in diesen schwierigen Zeiten waren immer wieder Menschen in der Gemeinschaft, die mich durchgetragen haben.

Erfahren habe ich auch, dass Berufung ein ständiger Wandel ist und bis zum Lebensende reifen muss, immer wieder neu.“

Am Ende zitiert sie ein Gebet von Romano Guardini: „Immerfort empfange ich mich aus Deiner Hand. Das ist meine Wahrheit und meine Freude.“

Schwester Rufilla: „Alle meine Stationen meines Ordenslebens waren sehr positive Zeiten. Ich habe sie als großen Segen empfunden. Die Patienten in den Krankenhäusern habe ich sehr gemocht, auch die Bewohner im Altenheim. Man kann schon sagen, dass ich Erfüllung in meinem Leben gefunden habe. Geholfen hat mir immer mein gutes Verhältnis zu meinen Geschwistern, die mir jetzt auch zu meinem Jubiläum eine gemeinsame Romreise geschenkt haben. Wichtig war mir im Leben auch immer eine gute geistige Begleitung, wenn ein Knick gekommen ist. Auch für Exerzitien habe ich mir oft Zeit genommen.

Durch meine Krankheit habe ich das Loslassen gelernt, auch Gelassenheit. Es muss nicht alles perfekt sein. Ich bin frei, Ja zu sagen, für das, was kommt. Ich bin frei für das, was wichtig ist. Ich bin frei für IHN. Ich spüre, dass ER da ist, ER gibt mir Kraft. Ich mache gern, was ich machen kann. Ich bin sehr dankbar und ich bin gern da.“

Wolfgang Dausch     


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