23.07.2019

„Gott hatte einen Heilsplan für mich"

Zwei Professjubilarinnen schauen in Dankbarkeit auf ihr Ordensleben zurück und erzählen davon.


Schwester Werrica und Schwester M. Ermenfrieda beim Professjubiläum

Schwester Werrica damals und heute

Schwester Ermenfrieda damals und heute

Vor kurzem haben 26 Barmherzige Schwestern ein Professjubiläum gefeiert. Stellvertretend für alle haben wir zwei Jubilarinnen zu Ihrem Leben befragt. Schwester M. Werrica Rauch und Schwester M. Ermenfrieda Ettl haben 1959 die Gelübde der Armut, des Gehorsams und der Ehelosigkeit abgelegt und schauen somit auf 60 Professjahre zurück. Lesen Sie selbst, was die beiden Jubilarinnen über ihr Leben als Barmherzige Schwestern erzählen.

Schwester Werrica:

Das Verlangen nach Gott ist mir ins Herz gegeben. Eine tragische Geschichte musste ich zu Beginn meines Lebens erfahren. Meine Mutter hatte 1939 einen vierwöchigen Einschüchterungsversuch vom damaligen Regime überstanden. Die Courage einer Barmherzigen Schwester rettete das so genannte „lebensunwerte Wesen“ aus den Händen eines Stabsarztes. Gott hat JA zu mir gesagt. 

Mit zwei Geschwistern bin ich in einem katholisch geprägten Elternhaus aufgewachsen. Der feste Glaube meiner Eltern legte die Grundlage für meinen weiteren Lebensweg. Ich erahnte: Gott hat einen Heilsplan für mich.

1956 trat ich in die Kongregation der Barmherzigen Schwestern in München ein, absolvierte ein zweijähriges Noviziat und erhielt 1965 die Zulassung zur Profess auf Lebenszeit. Ich erlernte den Beruf zur Krankenschwester und war zwölf Jahre als Operationsschwester an der Chirurgischen Universitätsklinik in München tätig. 1973 erwarb ich das Diplom für das Lehramt an Krankenpflege- und Kinderkrankenpflegeschulen in Köln-Hohenlind. Als Lehrkraft arbeitete ich drei Jahre in Regensburg und weitere 15 Jahre an der ordenseigenen BFS für Krankenpflege Maria Regina in München.

Seit 1991 darf ich an einem Projekt unserer Kongregation mitwirken. Mitten in der Großstadt München gibt es diese „geistliche Tankstelle“, die Oase. Sie ist ein Ort zum Innehalten, ein Ort des Gebetes und der Anbetung. Wir begleiten Menschen auf dem Weg des Christ-Werdens, helfen mit bei der Klärung der Lebensgeschichte auf Gott hin, bei der Klärung des Gottesbildes und arbeiten in der Erwachsenen-Katechese. Wir gehen auch zu den Kranken, und begleiten Sterbende betend auf ihrer letzten Wegstrecke.

Ja, in der Spur Jesu zu gehen, macht glücklich. Wenn auch manch selbstgefasste Pläne durchkreuzt worden sind, der Geist Gottes hielt immer wieder tolle Überraschungen für mich bereit, die ich oft erst rückschauend verstehen konnte. Gott hat Pläne des Heils und nicht des Unheils.

Christus selbst ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14,16). Es gibt keinen anderen Weg zum ewigen Leben. Jesus allein ist die Tür zum Vater. Im Auf- und Ab des Lebens gibt es für mich und für jeden Anderen die feste Hoffnung: Gott allein genügt! Vor Gott ist nicht die Leistung entscheidend, sondern die Gesinnung des Herzens. Je mehr wir uns der Führung des Heiligen Geistes überlassen, umso mehr wirkt er durch uns und mit uns.

Der hl. Vinzenz von Paul sagt: „Es gibt nichts, was dem Evangelium besser entspräche, als zunächst alles Licht und die Kraft seiner Seele im Gebet, in der Lesung und in der Einsamkeit zu sammeln und dann hinzugehen und den Menschen Anteil an dieser geistlichen Speise zu geben.“

Schwester Ermenfrieda:

Ich hatte eine Cousine, die Barmherzige Schwester war. Sie hatte mich schon als Kind durch ihre frohe Natur immer sehr beeindruckt. Einmal konnte ich auch einer Einkleidung und Professfeier beiwohnen. Nach der Volksschule besuchte ich die Mittelschule in Indersdorf, die im Jahr zuvor von den Barmherzigen Schwestern eröffnet wurde. Hier lernte ich das Leben der Schwestern etwas kennen und nach Abschluss der Mittleren Reife entschloss ich mich, in diese Gemeinschaft einzutreten.

Mein Einsatzort nach der ersten Profess war die Maria-Theresia-Klinik. Berufsbegleitend besuchte ich dabei auch die dreijährige Krankenpflegeschule im Mutterhaus und insgesamt war ich in dieser Klinik 13 Jahre tätig zur Pflege der Kranken. 1973 bat mich die Generaloberin, mit noch einer Mitschwester beim Caritasverband in Köln das Jahresseminar für „leitende Aufgaben im Pflegedienst“ zu besuchen. Meine darauffolgenden Einsätze in der Pflege waren dann das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg und noch verschiedene Krankenhäuser und Altenheime in und rund um München. Ab 1977 wurde mir dann in den jeweiligen Altenheimen die Leitung des Hauses übertragen.

Ich bin nun im Ruhestand und sehr dankbar, dass ich mich um so Vieles nicht mehr zu kümmern brauche. Ich helfe im Altenheim St. Katharina Labouré noch mit, wo ich gebraucht werde, besuche die alten Menschen, höre ihnen zu, begleite Sterbende und versuche, zu helfen wo ich kann.

Ja, ich schaue sehr dankbar zurück auf mein bisheriges Leben durch alle Höhen und Tiefen hindurch. Gerade in schwierigen Zeiten, wie bei Wechsel in ein anderes Haus oder Übernahme von Leitungsfunktionen, denen ich mich nicht gewachsen fühlte, durfte ich immer wieder, oft spürbar erfahren: Es ist Sein Wille und ich bin nicht allein.


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