Vinzenzfest im Mutterhaus

Gemeinsam geben, gemeinsam empfangen

Mit dem Vinzenzlied begann gestern das Vinzenzfest im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern. Das Lied wurde von Sr. M. Caritas Gebhardt zum 400. Geburtstag des heiligen Vinzenz von Paul geschrieben. Es lenkt den Blick auf den Ordenspatron, der “unser Haus gebaut hat” und dessen Haltung bis heute prägend ist: Not wahrnehmen, nicht wegsehen und aus der Nächstenliebe heraus handeln.

Generaloberin Schwester Rosa Maria führte die Festgemeinschaft durch die besinnliche Andacht. Im Mittelpunkt stand zunächst ein Holzschnitt von Sr. Primosa Herget von den Barmherzigen Schwestern in Untermarchtal, der den heiligen Vinzenz von Paul zeigt. Auf dem Bild ist auch die biblische Szene der Brotvermehrung dargestellt. Schwester Rosa Maria las den entsprechenden Text aus dem Lukasevangelium vor, in dem Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen Tausende Menschen satt macht. In ihrer anschließenden Ansprache wurde die Verbindung zum eigenen Leben deutlich: Auch wir stehen immer wieder vor Aufgaben und Herausforderungen, von denen wir zunächst nicht wissen, wie wir sie bewältigen sollen. Wie bewirtet man mit ein paar Fischen und etwas Brot so viele Menschen? Aber Schwester Rosa Maria erinnerte daran, dass Gott von uns nicht verlangt, mehr zu tun, als wir können. Er bittet uns darum, das einzubringen, was uns möglich ist. Und wo Menschen dies tun, können sich Wege öffnen und Erfahrungen gelingen, die zuvor kaum vorstellbar waren.

Diesen Gedanken griff auch der Text „Segenregen“ von Nina Wagner auf. Er handelt von den Zweifeln, die viele Menschen kennen: Reicht das, was ich geben kann? Kann mein Beitrag überhaupt etwas bewirken? Die Botschaft des Textes machte Mut: Gott segnet uns zuerst und gibt uns das, was wir brauchen, um wirksam zu sein. Niemand muss mehr geben, als er geben kann.

Sichtbar wurde dieser Gedanke in einer symbolischen Handlung. Mitarbeitende und Schwestern brachten verschiedene Brote nach vorne. Sie standen für Hoffnung, Zuversicht, Freude, Treue, Dankbarkeit und Mut. Jeder Mensch bringt eigene Gaben und Stärken in die Gemeinschaft ein, manchmal Freude, manchmal Mut oder besondere Treue. Zugleich lebt Gemeinschaft davon, dass wir auch von dem profitieren, was andere schenken. So entstand ein anschauliches Bild für das Miteinander in unserer Dienstgemeinschaft: Wir geben und empfangen, wir unterstützen einander und tragen gemeinsam Verantwortung. Miteinander. Füreinander.

Beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen, zu dem Schwester Maria Adelinde einlud, klang das Vinzenzfest in geselliger Atmosphäre aus.